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Wenn Erwartungen erfüllt werden, ist das nicht zwingend ein Grund zur Freude
Freitag, 27 Januar 2012
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

was wurde uns nicht alles in Aussicht gestellt von den neu gewählten Mitgliedern der ver.di-Tarifkommission. Besser machen wollten sie es, besser als die bisherigen, selbst in den eigenen Reihen so stark kritisierten Vorgänger. Seite an Seite mit UFO wollte man Stärke demonstrieren, wollte sich nicht abspeisen lassen mit einem billigen Angeot.

Vor gut einem Monat, am 15.01.12, durfte man in einer ver.di-Veröffentlichung erwartungsvoll lesen "Christine Behle, unsere gemeinsame Verhandlungsführerin, hat sich bei der Begründung unserer Forderungen daher nicht auf die Denke der Lufthansa eingelassen. Unsere auch durch Lufthansa nicht zu widerlegende Begründung der Forderung von 6,1 % stützt sich auf die allgemeine Lohnentwicklung in Deutschland im Verhältnis zur Entwicklung der Preise. Auch und gerade bei der Lufthansa haben wir durch Nullrunden und zum Teil moderaten Abschlüssen erheblichen Nachholbedarf. Schließlich leben Lufthanseaten nicht im luftleeren Raum. Wir müssen mit unserem Einkommen alle Kosten bestreiten und unser Leben mit dem Geld organisieren, das wir bei LH verdienen..."

Das erste Angebot der Lufthansa wurde als inakzeptabel weit von sich gewiesen. Auch das zweite Angebot - inzwischen verbessert auf einen höheren Prozentsatz bei einer kürzeren Laufzeit (3,5% für 13 Monate) - schien zumindest laut Beitrag vom 25.01.12 auf der Internetseite der ver.di nicht ausreichend. "Das Angebot ist Angesichts von zwei Nullrunden zu niedrig und damit nicht akzeptabel", betont ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. "Lufthansa ist kein Sanierungsfall, sondern möchte auf dem Rücken von Beschäftigten ins Unternehmen investieren. Das ist den Beschäftigten, die Gewinne für den Konzern einfahren, nicht zuzumuten." Behle zeigte sich vom Verhalten der Arbeitgeber enttäuscht und betonte, dass sie davon ausgehe, dass die morgen tagende ver.di-Tarifkommission diesem Angebot nicht zustimmen werde."

Möglicherweise haben die Mitglieder der Tarifkommission diese Veröffentlichung nicht gelesen. Wie sonst lässt sich erklären, dass nur einen Tag und knapp 53 Euro später das Angebot der Lufthansa derart gut zu sein scheint, dass man es ohne Bedenken akzeptieren kann ? Die Freude über die Erhöhung des Zuschlags zum Urlaubsgeld verwandelte die Mitglieder der Tarifkommission von selbst ernannten Tigern zu dankbaren Mäuschen.

Aus 6,1% wurden über Nacht noch nicht einmal 3,5%, denn berücksichtigt man vergangene Nullrunden und die Inflationsrate, wird die Steigerung geradezu marginal ! Beschäftigungssicherung ? Vergessen ? Bei vorangegangenen Verhandlungen hatte man zumindest noch das Ultimatum gestellt "Entweder alle oder keiner." Lufthansa wollte bei den letzten Tarifverhandlungen für die LSG keine Zusicherung gegeben, also blieb ver.di standhaft und verzichtete für alle. Dieses Mal bekommen die LSG-Kolleginnen und Kollegen die Beschäftigungssicherung, leider gab es aber kein "entweder oder". Somit dürfen/müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Boden, Systems, Cargo und Technik hoffen, dass die 13 Monate schnell vorüber gehen, und dass das neu aufgelegte Ergebnissicherungsprogramm nicht den Stellen- und damit auch Mitarbeiterabbau als ein Kernthema definiert. Wir gönnen es den Kolleginnen und Kollegen der LSG, und wir hoffen für alle anderen.

Zu Recht sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter enttäuscht. Zu Recht fragen sie, wie es sein kann, dass die Tarifkommission so schnell zustimmen konnte. Zu Recht wundern sie sich, was aus der vereinten Kraft mit UFO geworden ist (UFO gab sich nicht zufrieden und verhandelt weiter). Die von ver.di-Vertretern gegebene Antwort: der geringe Organisationsgrad war schuld. Das, liebe Mitglieder der Tarifkommission, ist zu simpel ! Selbst ein Organisationsgrad von 100% hätte nichts verändert, denn es wurden essentielle Themen übergangen, die man immer in die Waagschale legen muss: die Inflationsrate, die hätte abgefangen werden müssen, die Nullrunden, die uns "geschenkt" wurden und die seit Jahren fehlende Beschäftigungssicherung. Mit Verlaub, an der Mitgliederzahl wird sich bei ver.di nach solchen Abschlüssen auch nichts ändern, zumindest nicht im positiven Sinne.

Es ist an der Zeit, gemeinsam eine Alternative zu installieren ! Wer sich jetzt, nach diesem enttäuschenden Ergebnis, nicht dazu entschließt, andere Wege zu gehen, trägt eine Mitverantwortung für künftige unzureichende Tarifabschlüsse.

Wir, die vereinigung boden, sind bereit, uns der Verantwortung zu stellen. Wir sind bereit, Tarifverhandlungen zu führen, die sowohl die Situation des Unternehmens als auch die berechtigten Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berücksichtigen. Aber dazu brauchen wir Sie als Mitglied, denn das Unternehmen holt sich nicht ohne Not einen zweiten Tarifpartner an den Tisch. Geben Sie uns die Möglichkeit, den Platz am Tariftisch zu erstreiten - werden Sie Mitglied bei der vereinigung boden !
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