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Montag, 01 Februar 2010 |
Focus 02/2010 - Autor: Thomas Glöckner Einige Gewerkschaften fordern fünf Prozent mehr Geld – andere wollen lieber Arbeitsplätze retten. Joachim Scheide flüchtet sich in Ironie. „Ich möchte zehn Prozent mehr
Gehalt haben – und verspreche, dass ich das Geld auch ausgebe“, spottet
der Prognose-Chef des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel über die
Forderung der Gewerkschaft Ver.di. Sie will fünf Prozent mehr Geld für
Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, um die „Binnenkaufkraft zu
stärken“.
Die Ver.di-Forderung ist der Auftakt zur Lohn- und
Gehaltsrunde 2010. Es geht um Jobs und Gehälter von über neun Millionen
Beschäftigten – vom Bäckerhandwerk bis zur Zuckerindustrie. Maximal 2,5
Prozent höhere Gehälter hält Konjunkturexperte Scheide
gesamtwirtschaftlich für vertretbar. Der Ver.di-Behauptung, dass höhere
Bezüge für Müllmänner und Ministerialbeamte die Konjunktur ankurbeln,
erteilt er eine Abfuhr: „Die Budgets von Ländern, Gemeinden und Bund
für ihr Personal sind begrenzt. Lohnsteigerungen bei gleichem Budget
führen zu einem beschleunigten Personalabbau. Hält man das Personal,
entsteht ein höheres Defizit, das durch höhere Steuern gedeckt werden
muss. Dann landet ebenfalls nicht mehr Kaufkraft in der Wirtschaft.“ Gewerkschaften der produktiven Branchen geht es eher darum, bestehende
Jobs sicherer zu machen. So erwartet die IG Bergbau, Chemie, Energie
zwar eine „angemessene Einkommenserhöhung“. Entscheidend sei abereit,
mit kürzeren Arbeitszeiten ohne vollen Lohnausgleicr,
„Entlassungen zu vermeiden“. Die mächtige IG Metall ist sogar beh Stellen zu
erhalten. So soll die tarifliche Arbeitszeit künftig nicht nur von 30
auf 29, sondern auf 25 Stunden sinken können. Ob die Unternehmen aber
von diesen vier Feierstunden zwei bezahlen, wird ab Februar verhandelt.
„Die Tarifvertragsparteien liegen in der Einschätzung der Lage in den
Betrieben dicht beieinander“, lobt Volker Schmidt, Chef von
Niedersachsen-metall, seine Kontrahenten von der IG Metall.
Auf
strikte Ablehnung stößt beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband
(Dehoga) hingegen die Forderung der Gewerkschaft
Nahrung-Genuss-Gaststätten (s. Tabelle). „Spielräume für Lohnerhöhungen
sind kaum vorhanden“, kritisiert Dehoga-Chefin Ingrid Hartges, „eine
schnelle konjunkturelle Erholung zeichnet sich nicht ab.“
Um
Jobs geht es auch bei der Urabstimmung von 4500 Lufthansa-Piloten ab
dieser Woche. Die Vereinigung Cockpit (VC) fordert als Gegenleistung
für eine mögliche Nullrunde eine Jobgarantie für die deutschen Piloten,
gerade auch nach den Lufthansa-Zukäufen im Ausland – wie Austrian
Airlines. Die Urabstimmung soll den Weg frei machen, so ein
VC-Sprecher, „zum unbefristeten Streik“.
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